Vortrag und Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Gerald Hüther

Eigensinnige, mutige und gestaltungsfreudige Kinder statt „genormte Tomaten und Gurken“

Schloß Holte-Stukenbrock/Hövelhof (VP). „LebenLernen – Aufbruch in ein neues Miteinander“, ist das Ziel des Neurologieprofessors Dr. Gerald Hüther. Rund 500 Interessierte kamen jetzt zu dem Vortrag und einer anschließenden Podiumsdiskussion in die Aula des Gymnasiums Schloß Holte-Stukenbrock.

v.l.n.r.: Jörg Reker (Reker Stiftung), Prof. Dr. Gerald Hüther, Wolfgang Bergmann (LeichtSinn)

v.l.n.r.: Jörg Reker (Reker Stiftung), Prof. Dr. Gerald Hüther, Wolfgang Bergmann (LeichtSinn)

Gerald Hüther (63) ist einer der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands und Autor zahlreicher Fachpublikationen. Er sieht Wissen nicht mehr als das, was man Kindern mit auf den Weg geben müsse. Vielmehr bräuchten sie unterschiedlichste Erfahrungen und Möglichkeiten sich auszuprobieren. Die Vernetzung im Gehirn entstehe nicht durch die Benutzung des Gehirns als reine Anstrengung. Seien Emotionen mit im Spiel werde das kognitive und das emotionale Gedächtnis gekoppelt und Lernen möglich. Lernstoff müsse daher emotional aufgeladen werden, damit zwei Jahre nach einem Abitur nicht 90 Prozent des Wissens wieder verloren seien. Aus seiner Sicht braucht das 21. Jahrhundert junge Leute, die Lust haben, als Entdecker und Gestalter durch die Welt zu gehen. Jeder Mensch komme mit den Bedürfnissen auf die Welt, seine eigenen Fähigkeiten zu zeigen, die Welt zu entdecken und zu der Gemeinschaft dazuzugehören. Jedes Kind sei hochbegabt und brauche für eine komplexe Vernetzung des Gehirns viele unterschiedliche Erfahrungen. In der Beziehung zu anderen Menschen lerne man, was diese schon könnten. Daher sollten Kinder mit möglichst vielen unterschiedlichen Menschen verschiedenen Alters in Beziehung kommen. Das schaffe soziale Kompetenz. Eine neue Lernkultur sei notwendig. Die Kinder müssten rauskommen aus „den Gewächshäusern, wo sie zu genormten Tomaten und Gurken heranwachsen.“, so der Göttinger Professor. Es brauche

Neurologieprofessor Dr. Gerald Hüther bei dem Vortrag im Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock

Neurologieprofessor Dr. Gerald Hüther bei dem Vortrag im Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock

eigensinnige, mutige und gestaltungsfreudige Kinder, die mit Menschen unterschiedlichster Art umgehen und in Beziehung treten können. „Jeder gegen jeden – die Zeit ist vorbei“, findet Hüther. Kinder sollten toleranter werden, es müsse ein neues Bündnis geben zwischen Lehrern, Eltern und Kindern.

In der anschließenden Podiumsdiskussion verdeutlichten Eva-Maria Mursch vom Aktivhof Holzhausen als Initiatorin der Vortrags- und Podiumsveranstaltung, Wolfgang Bergmann von LeichtSinn, Johannes Rahe von der Ursachenstiftung, Bürgermeister Hubert Erichlandwehr, Andreas Kullmann als Rektor der Realschule Schloß Holte-Stukenbrock und Jörg Reker von der Reker-Stiftung welche Möglichkeiten für ein neues Miteinander sich bieten. Reker, Gründer des Schulprojekts g@together führt zusammen mit der Peter-Gläsel-Stiftung die Aktion „Schule im Aufbruch“ von Prof. Dr. Gerald Hüther und Margret Rasfeld in der Region weiter. Er vernetzt Lehrer, Eltern und Interessierte durch Folgeveranstaltungen und eine Austausch-Plattform unter www.schule-fuer-sozialkompetenz.de. Die nächste Folgeveranstaltung findet am Donnerstag, 20. Juni, 16 Uhr in der Thune-Schule Sennelager statt. Der Eintritt ist frei.